EUCOR-Sommeruniversität
2005 in Freiburg im Breisgau
Auswirkungen
von Literatur auf die sprachliche Standardisierung und Destandardisierung
in Europa seit 1800
Zeitraum: 31. Juli bis 11. August 2005
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Im
Prozess der Nationenbildung, der im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts
seinen Höhepunkt erreichte, spielte die sprachliche Standardisierung
eine wichtige Rolle. Die Literatur kann als Leitmedium für
die Konstitution einer kollektiven Vorstellung von sprachlichen
Standards identifiziert werden. Sprache, die literarisch geworden
ist, gilt als vorbildlich und gewissermaßen zeitlos –
so lautet die in den modernen Gesellschaften Europas häufig
damit verbundene implizite Ideologie.
Im endenden 20. und beginnenden 21. Jahrhundert tritt der Nationenbildungsprozess
in Europa durch die unionistischen Bestrebungen grundsätzlich
zurück. Neu konstruierte Gruppen bilden ihre Identität
häufig anhand von Texten in einer eigenen sprachlichen Varietät.
Beispiele aus der unmittelbaren Gegenwart sind in der Etablierung
neuer sprachlicher Varietäten in Form so genannter Ethnolekte
zu finden, etwa die „Kanak Sprak“ in Deutschland, „Rinkebysvenska“
in Schweden und die Sprache und Literatur der Banlieu in Frankreich.
Hier scheint der Versuch unternommen zu werden, sprachliche Varietäten
durch Literarisierung gesellschaftsfähig zu machen.
Im
Rahmen des EUCOR-Verbunds der französischen, deutschen und
schweizeri-schen Universitäten am Oberrhein veranstaltet das
Kompetenznetzwerk Skandinavistik mit der Deutsch-Französischen
Hochschule eine internationale und interdisziplinäre Sommeruniversität
unter dem Thema „Auswirkungen von Literatur auf die sprachliche
Standardisierung und Destandardisierung in Europa seit 1800“.
Hier wird der historische Prozess der Standardisierung und der aktuelle
Prozess der Destandardisierung im Mittelpunkt stehen, indem er aus
linguistischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive umfassend
beleuchtet wird. Die Sommeruniversität ist in geographischer
Hinsicht gesamteuropäisch, aber auch in Bezug auf die wissenschaftlichen
Disziplinen zwischen Sprach-, Literatur- und allgemeiner Kulturwissenschaft
interdisziplinär ausgerichtet: Neben einzelsprachlichen Perspektiven
auf den Zusammenhang zwischen Literatur und sprachlicher Entwicklung
ermöglicht die euro-päische Ausrichtung der Sommeruniversität
auch den Vergleich der Prozesse in verschiedenen Nationen.
Durch
die Bündelung und Zusammenführung interdisziplinärer
Kompetenzen von Fächern wie der Romanistik, der Germanistik
und der Skandinavistik in ihren äußerst unterschiedlichen
Forschungsrichtungen – von allgemeiner Kulturwissenschaft
über die Literaturwissenschaft bis hin zur historischen und
modernen Sprachwissenschaft – konnte unter der wissenschaftlichen
Leitung von Prof. Heinrich Anz (Freiburg), Prof. Peter Auer (Freiburg),
Dr. Sylvain Briens (Straßburg) und Prof. Damaris Nübling
(Mainz) ein Programm erstellt werden, das das Thema aus verschiedenen
geographischen und forschungsspezifischen Perspektiven beleuchtet.
Als Referenten konnten die folgenden WissenschaftlerInnen gewonnen
werden:
Prof. Heinrich Anz (Freiburg), Prof. Peter Auer (Freiburg), Dr.
Wolfgang Behschnitt (Freiburg), Dr. Sylvain Briens (Straßburg),
PD Dr. Peter Gilles (Freiburg), Dr. Corinne Grenouillet (Straßburg),
Prof. Martin Kylhammar (Linköping), Prof. András Masát
(Budapest), Prof. Damaris Nübling (Mainz), Prof. Inge Lise
Pedersen (Kopenhagen), Dr. Unn Røyneland (Oslo), Dr. Beat
Siebenhaar (Bern), Dr. Evelyn Ziegler (Marburg).
Teilnehmende
Studierende
im Hauptstudium, Doktoranden und Habilitierende der Sprach- und/oder
Literaturwissenschaften sämtlicher Philologien können
an der Sommeruniversität teilnehmen. Die Teilnehmenden sollten
ein spezielles Interesse an Standardisierung und Destandardisierung
in einer breiten kulturellen Perspektive haben. Französisch-
und Deutschkenntnisse werden vorausgesetzt.
Den
Teilnehmenden wird während der Sommeruniversität Gelegenheit
geboten, eigene Forschungsarbeiten zum Themenfeld zu präsentieren.
Darüber hinaus werden die Teilnehmenden in Materialsitzungen
und Themensitzungen aktiv einbezogen, u. a. durch die gemeinsame
Bearbeitung empirischen Materials. Zentraler Bezugspunkt der Veranstaltung
ist eine starke Interaktion zwischen den eingeladenen Referenten
und den Teilnehmenden. In einem interdisziplinären und internationalen
Forschungsaustausch sollen relevante Forschungsdiskussionen und
-ergebnisse zusammen geführt werden.
Es können 10 ECTS-Punkte erworben werden.
Stipendien stehen in begrenzter Anzahl zur Verfügung und können
zusammen mit der Anmeldung beantragt werden.

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